Ist das Modell der NL – Academies noch Zeitgemaess??

Seit einiger Zeit beschaeftige ich mich auch mit den Entwicklungen rundum die Baseball Academies in den Niederlanden, auch weil wir persoenlich betroffene sind und natuerlich ein Herz fuer den Sport haben.

Zur Zeit gibt es aehm, 5  Academies in den Niederlanden, welche als sogenannte Regionale Ausbildungs- und Leistungszentren funktionieren und innerhalb des KNBSB in Ihrer eigenen „Dutch Instructional League“ spielen:

  • In Eindhoven die Akademie „Bixie Baseball“ (Bixie ist in der letzten Saison pleite gegangen, hat aber urspruenglich den Sueden des Landes Abdgedeckt)
  • In Amsterdam die Akademie „Diamonds Baseball“ mit Anschluss and das Zentrale Topsport Zentrum in der Hauptstadt (CTO)
  • In Hoofddorp / Heemstede die Akademie Kennemerland/Rabbits
  • In Den Haag besteht Tsunami
  • Rotterdam hat die Unicorns, uebrigens die erste und aelteste Academy
  • Und der Ostteil der Niederland hat die Scimitars Academy in Bussum

Diese Akademien waren in der Vergangenheit von der MLB, dem NOC/NSF sowie dem KNBSB finanziell unterstuetzt und aufgebaut worden. Dadurch dass das Geld aus Amerika jedoch auch nicht unbegrenzt fliesst und die MLB Ihre Zuwendungen auch immer weiter zurueck faehrt, musste bereits Bixie Baseball in Eindhoven seine Tueren schliessen und die Spieler auf die Strasse setzen. Dies wird in den naechsten Jahren nicht besser werden, da die MLB bereits angekunedigt hat, den Geldhahn beizeiten ganz zuzudrehen, da die knallharten Amerikaner nicht (mehr) den Mehrwert von Europaeischen Akademien sehen, wie Sie ihn noch vor zehn Jahren gesehen haben.

Dazu noch dass Missmanagement der letzten Jahre beim KNBSB, dem tragenden Bund und es sollten eigentlich schon im letzten Jahr nicht nur eine, sondern gleich zwei Academies Ihre Tueren schliessen, was in letzter Minute noch abgewendet werden konnte.

Aber dies ist nur ein Problem der Academies in meinen Augen, ein anderes sehe ich im operations Modell der Academies: mit eigenen Teams in einer eigenen Liga zu spielen. Hiermit hat man naemlich ein ganz anderes Problem erst erzeugt:

Das Absaugen von Talent in den regionalen, lokalen Clubs beim Uebergang von der Pupillen (Schueler) in die Aspiranten (Jugend) Altersstufe, da die Academies erst ab der Jugend aktiv sind und sich nicht an der Ausbildung der Pupillen direkt beteiligen (sie beteiligen durch das Anbieten von Focusprogrammen wie Future Stars indirekt an den Ausbildungsbemuehungen der Clubs).

Was passiert nun also beim Uebergang zwischen diesen beiden Alterstufen in den Niederlanden? Alle 6 5 Academies rufen im Fruehjahr um den Saisonbeginn zum Try-Out auf, wo sich die jungen Talente einmalig vorstellen koennen um gesichtet und beurteilt zu werden.

Werden Sie bei einer der Academies angenommen, so verbleiben die jungen Talente noch bis zum Saisonende in Ihren Club, muessen aber ab dem Sommerstop schonmal zur Eingewoehnung bei den Academies mit Trainieren (4x die Woche) und werden dann spaetestens im November auf die Spielerlisten der Academies transferiert und die Heimtclubs verlieren ein talentiertes Mitglied mit allen Folgen davon….Es geht ja nicht nur ein talentiertes Mitglied, sondern auch das dazugehoerige Netzwerk an Eltern, Grosseltern und vor allem: Freiwilligen fuer den Club. Da dieses Netzwerk in der Regel ebenfalls stark engagiert ist und teilweise das Ruckgrat eines lokalen Clubs gebildet hat, geht hier nicht nur ein Spieler, sondern evtl. auch ein Vorstandsmitglied, Coach, Teammanager oder sonstiger Helfer verloren, neben den verlorenen Beitragseinkuenften noch zu bemerken.

Dies ist schon bei einem einzelnen Spieler, welcher in die Academy berufen wird schlimm und kann fuer einen kleinen Verein fatal sein oder ihn zumindest in grosse Schwierigkeiten bringen.

Jetzt stellt euch einmal vor, das passiert nicht nur mit einem grossen Talent in einem Club, sondern gleichzeitig mit 5 oder 6 Spielern aus einem (groesseren) Club, die auch noch zufaellig in einem Team spielen….

Gibt es das Ueberhaupt? Sind da keine Absprachen zwischen den Academies und den regionalen Club gemacht worden?

Um Ehrlich zu sein weiss ich es nicht, im Reglement des KNBSB und in der wenigen Dokumentation zu den Academies auf der Website des KNBSB sind jedenfalls keine solchen Regeln oder Absprachen ersichtlich.

So dass ich einfach mal behaupte, dass dies ein doch ziemlich „(Sport)Rechtsfreier“ Raum ist, welcher den Academies genau das erlaubt, was Sie fuer Ihr eigenes Wohl benoetigen und die Clubs, die Jahrelang ausgebildet haben, den kuerzeren ziehen und man mir-nichts-dir-nichts auch mal ein halbes Team in einem einzelnen Club selektieren und in die Academy berufen koennen.

Da sehe ich die Kooperativen Modelle der Nachbarlaender schon positiver, dort bekommen die Talente die Aufmerksamkeit und Herausforderung, welche junge Talente noetig haben, verbleiben jedoch meistens in Ihrem Club und spielen in der normalen Liga (auf hohem niveau) mit. Hier haette man den Vorteil das die entsprechenden Spieler weiterhin in den lokalen Clubs bleiben, inklusive Netzwerk, koennen Ihre erworbene Kenntnis in niedriger spielende Teams weitergeben ud so auch noch an einer hohen Wettkampfqualitaet beitragen.

Denn das ist das dritte Problem, was ein nicht kooperatives Modell bringt: nach dem „Absaugen“ und zentraliseren des regionalen Talents stehen den Clubs eigentlich nur noch die Spieler zur verfuegung, die einfach zum Zeitvertreib Baseball spielen wollen, Ambition und Passion sind im Breitensport selten und wenn man es doch ist, wird man von den anderen schief angeschaut oder sogar angegriffen.

Das bringt mich zu Problem Nummer 4 mit den Academies: natuerlich hat eine Academy nur eine begrenzte Kapazitaet und sollte immer etwas besonderes bleiben, aber was ist mit den Spielern, die beim Try-Out mit 12 Jahren einen schlechten Tag hatten und „net niet“ in die Selektion gefallen sind, jedoch auch motiviert, getrieben und passioniert sind?

Die werden nun in den ‚Abgrund‘ des Breitensportes zurueck geschoben und muessen dort entweder Ihre Ambition zurueckschrauben oder „vertrocknen“ mit der Zeit, weil man nicht auf dem Niveau spielen kann, wo man selber ist.

Diese Spieler brauchen jedoch auch Zusatzangebote wie regionale Auswahlmannschaften und Trainingsangebote wie sie oft in den lokalen Clubs nicht zur Verfuegung stehen. Diese bestehen in der Schueler Altersstufe, unter anderem mit dem Future Stars Programm, Little League oder den verschiedenen Winterschulen in den grossen Clubs, teilweise auch Academies. In der Aspiranten (Jugend) Altersstufe gibt es diese Angebote (nicht) mehr, weil der KNBSB sich hier vollstaendig auf die Academies richtet und es den Clubs ueberlaesst, hier einfuellung zu geben, welche die Clubs gar nicht in der Lage sind zu fuellen.

Wenn man dies nun mit den Mitgliedsstatistiken des KNBSB vergleicht, kann man ebenfalls sehen, dass die mit groessten Mitgliederverluste eben genau zu diesem Zeitpunkt passieren: in der Aspiranten (Jugend) Altersstufe.

Wenn man dies nun in eine knallharte Kosten-Nutzen Analyse bringt, muss man sich glaube ich langsam die Frage stellen, ob das Anfangs bedachte Operationsmodell als Insel innerhalb der grossen Gemeinschaft noch fest zu halten ist oder ob man nicht doch einmal gut ueber das heutige Operationsmodell nachdenken sollte und ein mehr kooperativen Ansatz suchen sollte….

Und da der KNBSB gerade sowieso alles am ueberdenken ist und in neue Strukturen bringen will, warum nicht auch gleich dieses Projekt aufnehmen?

Lieber KNBSB es ist 5 vor 12 fuer unseren Sport in den Niederlanden……

5to12