Super6 in Hoofddorp (und die Muenzen)

Diese Woche hat das erste kombinierte Baseball und Softballturnier in Europa stattgefunden: die Super 6.

 

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Zu diesem Turnier kamen die jeweils 6 besten Nationalen Teams in Europa in Hoofddorp zusammen um bereits einen Platz für die folgende EM 2019 auszuspielen.

Im Vergleich zu einer „echten“ Europameisterschaft war dies natürlich ein wesentlich kleineres Turnier, aber immer noch interessant zu folgen. Natürlich war die Baseball-Seite des Turnieres die wesentlich populärere Seite, aber auch im Softball konnte man sich sehr schön unterhalten lassen und interessanten Spielen folgen.

Die ersten Tage spielte das Wetter perfekt mit und bei 21-25 Grad im Sonnenschein konnte das geplante Programm ohne grosse Verschiebungen und Probleme durchgeführt werden.

Auf der Softballseite fand ich persönlich natürlich den Gewinner, die Tschechische Republik, am „schönsten“ anzusehen, aber auch die Briten und die Niederländer haben sich durchaus von ihrer guten Seite gezeigt.

Wobei auch diesmal, meiner Meinung nach, das Niederländische Team viel höher eingeschätzt wurde als sie schlussendlich waren. Mit dem erreichen des vierten Platzes find ich das schon eine sehr enttäuschende Platzierung für ein Team, was im Vorfelde durch Pressemitteilungen und Arbeit in den Sozialen Medien in den Stand eines Topfavoriten erhoben war, bevor das Turnier überhaupt begonnen hatte.

Was ich aber für noch viel schlimmer finde, ist dass das NL Softball Team seit 6 Jahren eigentlich nie seine eigene Zielstellung erreichen konnte: 2014 bei der WM in Haarlem bereits mit dem sechsten Platz an der Zielstellung des vierten Platzes gescheitert (und sogar seine Topsportfinanzierung verloren), setzte sich dieser Trend 2016 bei der Weltmeisterschaft in Surrey fort, wo das NL Softballteam ebenfalls nur mit Mühe und Not die Zielstellung des vierten Platzes holte (und wieder Topsportwürdig war und neue, aber weniger Fördergelder bekam) und auf der Weltmeisterschaft 2018 nur noch durch ein hartes durchgreifen des Technischen Direktors, Tjerk Smeets, welcher den coach Juni Francisca mitten im Turnier auf non-aktiv setzte um dann mit einer Kaderumstellung zumindest noch in den Top 8 zu landen.

Dies ist doch eine recht konstante Geschichte von Fehlschlägen, die nicht nur sehr schmerzhaft waren, sondern auch viel Geld gekostet haben. Euros, die dem KNBSB zum Beispiel in der Jugendarbeit und im weiteren Sinne in den nicht Topsportsparten gefehlt hat.

Die Tschechen hingegen haben für Ihr Budget zum Beispiel ein gutes Ergebnis erreichen können, natürlich ist das auch immer eine Frage der politischen Agenda, aber das CZ Team hat sicherlich ein wesentlich kleineres Budget gehabt wie das Team Kingdom of the Netherlands (was ist das eigentlich für eine schreckliche Wortkonstruktion?) und dabei sportlich gesehen, viel mehr „Value on expenditure“ für Ihren Sportbund herausgeholt wie Oranje.

Muss man da nicht dann einmal nachdenken, ob es sinnvoll ist, immer noch zu jeder Weltmeisterschaft zu melden, während der Softball Breitensport praktisch nicht mehr existiert in den Niederlanden?

Anyway, trotz allem haben wir spannende und schöne Spiele auf der Super6 im Hoofddorp gesehen und ich denke, dass dieses Format für den Softball auf jeden Fall eine Wiederholung wert is, da die Zuschauerzahlen des Softball natürlich auch von den Baseballfans profitiert haben, welche mit ihren Tageskarten zwischen den Baseball Spielen ebenfalls auf der Softballtribune zu sehen waren.

Auf der Baseballseite fand ich, war es für mich persönlich etwas weniger interessant, es waren natürlich auch die 6 besten Baseballländer in Europa gemeldet, aber die Leitungsunterschiede zwischen den Top 3 (Italien, Niederlande, Spanien) und den Bottom 3 (Tschechische Republik, Belgien, Deutschland) waren schon ziemlich gross, so dass diverse Baseball Spiele des Turnieres sehr einseitig und kurz waren und oft bereits im dritten Inning mit Mercy Rule beendet worden waren.

Das ist schon etwas weniger „Preis-Leistung“ für die doch recht happigen Ticketpreise in Hoofddorp gewesen.

Richtige „Fights“ zwischen den Nationen gab es praktisch gar nicht, wenn die Top 3 gegen die Bottm 3 spielten, wurde meistens in drei Innings mit Mercy rule über den Gegner aus der Bottom 3 „darübergewalzt“.

Wenn die Top 3 gegeneinander spielten, sahen wir in der Hauptsache von Taktik und gegenseitiger Vorsicht geprägte Spiele, keiner wollte das Risiko nehmen ein tolles (aber auch Risikoreiches) Play zu machen und jeder der Top 3 spielte in diesen Spielen eigentlich ein wenig mit „angezogener Handbremse“, was die Spiele für den Zuschauer wenig attraktiv machten und bei einigen Abendspielen hatte ich wirklich das Gefühl auf einem „Kaugummi Spiel“ zu sein, es wurde länger und länger und ausser den Standardsituationen des Baseball bekam man kaum wirklich schöne Plays zu sehen.

Ja klar, Homeruns sind auch schön, aber das haut der Schlagmann auch nur einmal, man sieht den Ball fliegen und hinter dem Zaun verschwinden und den Schlagmann und evtl. Baserunners einmal um den Diamond laufen und dann die nächste Spielaktion zu beginnen.

Wo waren die gestohlenen Bases?

Die double Plays oder auch mal ein Triple Play?

Wo waren die Run-Down’s und Bunt Spiele die für Zuschauer so schön anzusehen sind und das Spiel spannend halten?

Ich muss ehrlich sagen, da habe ich bei einigen Pupillen / Schüler Spielen in diesem Jahr kurzweiligere Spiele gesehen wie auf der Super 6.

Ich lebe jetzt seit 10 Jahren in den Niederlanden und sollte mich da inzwischen dran gewöhnt haben, aber die Auswahl an Gastronomie war ebenfalls sehr eingeschränkt und auf einige wenige Anbieter und Speisen beschränkt. Auch wenn die anwesenden Anbieter eine extrem hohe Qualität geliefert haben, muss ich ehrlich sagen dass ich da auch auf einigen Lokationen in der Bundesliga mehr Auswahl hatte, wie auf der Super6.

Von den Preisen noch nicht gesprochen, für NL Verhältnisse durchaus respektable Preise, aber für einen nicht Holländer sah die Welt da schon ganz anders aus: für eine Portion Pommes (auch wenn sie handgemacht aus frischen Kartoffeln war) musste man Festivalmünzen im Gegenwert von 3.75 Euro einwechseln, da bekam man am Nachbarstand bereits ein ganzes Pulled-Pork Brötchen zum gleichen Preis. Das Bier wurde für zwei Münzen verkauft, 0.33 Liter für 5 (!) Euro, das gleiche für Softdrinks hier durfte man ebenfalls zwei, im nachinein nicht mehr einwechselbare, Festivalmünzen eintauschen.

Das bringt mich dann, aus der Sicht eines Assimilierten Deutschen, zum nächsten Punkt: ich verstehe dass die Abrechnung an den Foodstands mit Münzen viel einfacher ist, man braucht kein Wechselgeld, hat wenig überfallrisiko etc., aber warum konnte man dann nicht gebrauchte Festivalmünzen bei Verlassen des Geländes nicht mehr zurück tauschen?

Klar weil das Teil der Kalkulation des Turnieres ist: alleine ich mit meiner Familie habe noch Münzen im Gegenwert von 15 Euro nicht mehr eintauschen können, bevor das Turnier zuende ging. Rechnen wir das mal hypothetisch durch:

In der ganzen Woche sind gemittelt vielleicht 1000 Besucher pro Tag auf dem Gelände anwesend gewesen, wenn da jeder vielleicht 5 Euro an Münzen nicht mehr einlösen / zurücktauschen konnte wären das 5.000 Euro pro Turniertag an zusätzlichen Einnahmen wo keine effektiven Kosten gegenüberstehen, auf die gesamte Turnierperiode gesehen ein ziemlich grosser batzen Geld welcher dabei herauskommt:

6 Tage Turnier * 5.000 Euro nicht eingeloste Münzen = 30.000 Euro

Einnahmen, welchen im Prinzip keine effektiven Kosten gegenüberstehen, denn der Münzenverkauf wurde von den Freiwilligen auf dem Turnier übernommen die ausser ein paar Klamotten „nur“ noch durchgefüttert werden mussten. Nehmen wir das einmal in die Rechnung mit auf:

Mit gemittelten Kosten pro Freiwilliger pro Tag, kommen wir vielleicht auf 5 Euro /  Tag für das Essen / Trinken und vielleicht 30 Euro für die augegebene Kleidung,auf die Turniertage aufgeteilt, nochmals 5 Euro / Tag, macht Gesamtkosten pro Freiwilligen von 10 Euro pro Tag.

Es mussten jeweils zwei Freiwillige pro Kassenschicht die Münzen verkaufen, bei öffnungszeiten von 09.00 Uhr bis 21.00 Uhr sind das drei Schichten , Total 6 Freiwillige, macht 60 Kosten pro Tag auf der Münzenseite…….Gewinnspanne: beinahe 8500 % (!)

Ein Recht angenehmes Business Model würde ich sagen.

Wobei ich ehrlich sagen muss, dass die Organisation wohl zum Ende hin doch jeden einzelnen Euro und Cent brauchen wird, um eine schwarze Null schreiben zu können. Denn die letzten zwei Tage des Turnieres können Wetterbedingt als Totalausfall gesehen werden, selbst das Baseball Finale zwischen den Niederlanden und Italien musste auf dem Papier gespielt werden und aufgrund des Ergebnisses gegeneinader war Oranje dann Schlussendlich der erste Sieger des Turnieres.

 

Update, 24-AUG-2018: Korrektur, das Bier und Softdrinks haben „nur“ eine Münze (2,50 Euro) gekostet. Was meiner Meinung nach trotzdem noch ein recht happiger Preis ist, wenn man bedenkt dass die Veranstalter eigentlich wollten, dass man den ganzen Tag auf dem Gelände verbleibt. Familienfreundliche Preise waren dies jedenfalls nicht, zumindest aus einer nicht-Niederländishcen Sichtweise.

 

2 Kommentare zu „Super6 in Hoofddorp (und die Muenzen)

  1. Ich habe inzwischen eine Korrektur zu den Preisen im Post gemacht. Nichts desto trotz fand ich persönlich die Spiele der Top3 Mannschaften echt nicht interessant und ziemlich lang gezogen und nur weil durch den starken Wind die Homeruns fielen wie Fliegen ist es noch kein spektakuläres Spiel, aber ich glaube das ist Geschmackssache. Der eine findet auch Audi besser wie Mercedes während der nächste es noch anders sieht und gleich einen BMW kauft.

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